Herbstzeit
Und schon
wieder ist Herbst…der allerdings ist mächtig unbeliebt – zu Unrecht!
Das Wechselspiel der Jahreszeiten hat die Menschen schon immer
fasziniert. Nach dem alljährlichen Frühlingserwachen folgt für gewöhnlich der
Sommer, der sich bei Jung und Alt größter Beliebtheit erfreut. Irgendwann aber
naht der Herbst, der alle Illusionen von immerwährendem Sonnenschein, lauen
Temperaturen, freizügiger Bekleidung und ausgelassener Stimmung jäh zunichtemacht.
Als Jahreszeit sitzt der Herbst gewissermaßen zwischen den Stühlen: Er
beerbt den Sommer und gleitet allmählich in den Winter über. Der Herbst ist ein
notorischer „Alleskaputtmacher“, der Flora und Fauna arg in Mitleidenschaft
nimmt und auch die Geduld der Menschen durch allerlei Unbill und fiese Erkältungskrankheiten
strapaziert. Der Herbst ist im allgemeinen nicht sonderlich beliebt.
Ich gebe es freimütig zu, ich mag den Herbst. Ich bin „Herbsttyp“. Aber
auch als „Herbsttyp“ neige ich nicht zu Masochismus und Realitätsverlust. Ich schätze
den pollenfreien Vorherbst - allerdings ohne Nässe, Kälte und Sturm. Ist es
nicht herrlich, wenn man sich frühmorgens bei kalter, klarer Luft mit jedem
Schritt durch Spinnenfäden und -netze kämpfen muss? Ganz ohne niesen zu müssen!
Der alljährlich wiederkehrende Zauber aus Blättern, die sich allmählich
bunt verfärben und hernach abfallen, fasziniert Jahr für Jahr aufs Neue. Die
Ursache dafür ist profan-biologisch: die Pfanzensäfte ziehen sich langsam in
Stamm und Baumwurzeln zurück; das Blattgrün wird dabei zugunsten anderer
Blattfarbstoffe abgebaut, die wiederum für die bunten Blätter verantwortlich sind.
Der herbstlich gestimmte Grugapark in Essen |
In dem Maße, indem im Herbst die Tage kürzer und dunkler werden, sinkt
bei vielen Zeitgenossen allerdings auch die Laune. Denn bis zum nächsten Frühjahr
wird noch viel Zeit verstreichen. Kaum eine Jahreszeit wird so häufig als
Metapher für Abschied, Vergänglichkeit und Sterben herangezogen wie der Herbst.
Der metaphorische „Herbst des Lebens“, das Alter, ist auch nicht sonderlich
beliebt.
Das obligatorische Sturm- und Regenwetter hat den Ruf des Herbstes vollends
ruiniert. Dabei ist der Herbst doch auch eine Zeit des Frohsinns und
zahlreicher Festtage: Erntedankfest, Oktoberfest, Halloween, Reformationstag,
Allerheiligen und St. Martin werden allesamt im Herbst begangen. Miese Stimmung
sollte im Herbst angesichts so vieler Festivitäten und Feiertage doch
eigentlich kaum aufkommen.
Schlussendlich - die Lyrik: Dichter aller Epochen waren und sind vom
Herbst fasziniert. Kaum eine Jahreszeit wurde, wohl wegen der ihr innewohnenden
Vergänglichkeit, öfter melancholisch besungen. Es gibt demnach viele gute
Gründe den Herbst zu mögen, dazu muss man nicht einmal „Herbsttyp“ sein. Ich
erhebe daher mein Glas und stoße auf eine ebenso lange wie milde Herbstzeit an.
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