Samstag, 15. September 2012

Der deutsche News-Sonderweg


Der deutsche News-Sonderweg
Zum Jahresende wird die „Tagesschau“ renoviert. Das ist längt überfällig

Als vor Kurzem bekannt gegeben wurde, dass die Erkennungsmelodie der „Tagesschau“ überarbeitet werden soll, war ein empfindlicher Aufschrei im Boulevard, einigen Printmedien und in Internetforen zu vernehmen. Kein Geringerer als der Hollywood-Erfolgskomponist Hans Zimmer soll dem Vernehmen nach die musikalische Überarbeitung der Titelmelodie in Angriff nehmen.

Das könnte einigermaßen skurrile Folgen nach sich ziehen. Schließlich ist Zimmer für seinen bombastischen Stil bekannt: Er hat u.a. die Blockbuster „Pearl Harbor“, „Gladiator“ oder „Der König der Löwen“ mit seinen Soundtracks musikalisch unterlegt. Auf die zukünftige Titelfanfare der in puncto Machart einzigartigen Nachrichtensendung darf man pünktlich zum 60. Geburtstag also gespannt sein. 

Neben einer Anpassung der populären Melodie ist auch ein Relaunch von Studio, Design und Technik angedacht. Die „Tagesschau“, jenes altehrwürdige Relikt aus der guten, alten Fernsehzeit, unterzieht sich zum Jahresende einem Facelifting. Eine umfassende Renovierung um nicht zu sagen Modernisierung des gesamten Formates scheint indes dringend geboten. Denn das einstige Flaggschiff im ARD-Informationsprogramm wirkt bieder und angestaubt und gelegentlich, um im Bilde zu bleiben, auch ein wenig abgetakelt. 

Die älteste Nachrichtensendung Deutschlands, die erstmals am 2. Weihnachtsfeiertag 1952 über den Bildschirm flimmerte, ist zweifellos in die Jahre gekommen; sie ist allerdings immer noch das erfolgreichste Newsformat im deutschen Fernsehen. In Spitzenzeiten schalten bis zu zehn Millionen Zuschauer die Hauptausgabe der 20-Uhr-„Tagesschau“ ein. Sie gilt beim Publikum als seriös, kompetent, glaubwürdig und schnell; schnell nicht zuletzt auch deswegen, weil kaum ein anderes Format im Programm des Ersten derart oft gesendet wird und mittlerweile fast stündlich neue News über den Äther schickt. 

Schaut man sich zeitgemäßes Nachrichtenfernsehen der kommerziellen Konkurrenz oder gar ausländische Nachrichtensendungen an, offenbart sich einem allerdings schnell, wie altbacken und antiquiert sich die „Tagesschau“ gerade auch im internationalen Vergleich präsentiert. Das himmelblaue Studio, die sonoren Sprecher, eine oft hölzerne Sprache sowie die betuliche Machart wecken zuweilen Assoziationen an das russische Staatsfernsehen oder an die längst verblichene „Aktuelle Kamera“. Als modern erscheint an der „Tagesschau" gegenwärtig allein der obligatorische Hinweis auf das ergänzende und vertiefende Online-Angebot von "ARD aktuell" zu ausgewählten Meldungen. 

Und auch die Sprecher, die bewusst Sprecher heißen und dezidiert keine Moderatoren sein dürfen, könnten dem Fundus einer kasachischen Rundfunkanstalt entsprungen sein. Besonders kauzig wirkt Chefsprecher Jan Hofer, der sich zuweilen derart mühsam durch die aktuelle Nachrichtenlage krächzt, dass man mitunter fast Mitleid verspürt. Die Sprecher der „Tagesschau“ versprühen insgesamt den Charme lebloser Sprechroboter, die nur bei Pannen menschliche Züge aufblitzen lassen.

Dabei ist es gar nicht nötig zum ebenso boulevardesken wie Nerv tötenden Konkurrenzformat von „RTL aktuell“ rüber zu schielen, zumal die inhaltliche Qualität der „Tagesschau“ außer Frage steht. Es geht einzig und allein um eine progressive Art der Darbietung, der fernsehgerechten Aufbereitung von Nachrichten im Hier und Jetzt. Ein Blick auf die frische und zeitgemäße Präsentation der „heute“-Sendung oder der „n-tv“-Nachrichten kann dabei hilfreich sein - so könnte zeitgemäßes Nachrichtenfernsehen aussehen. Ergo: Der deutsche News-Sonderweg der „Tagesschau“ muss beendet werden. Dringend.  


Kommentare:

  1. Nur das nicht! New Shows machen es auch nicht besser und die Art wie Petra Gerster die Welt erklärt ist nicht frisch, sondern infantilisiert die Zuschauer.

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  2. Nun ja, die Tagesschau ist echt ein Relikt aus grauer Vorzeit und eine Erneuerung kann da nicht schaden!

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